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Kriese als Chance

Karin Ausserhofer über ihre Arbeit als Personalleiterin und die vergangenen, turbulenten Monate

 
Als Personalleiterin ist Karin Ausserhofer für die Mitarbeiter von NORDWAL seit gut zwölf Jahren Ruhepol und Richtungsgeberin zugleich. Sie ist ausgebildete Lehrerin, hat vier Kinder großgezogen – und mag es eigentlich nicht, im Vordergrund zu stehen. Dafür habe sie auch gar keine Zeit, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Neben der Personalverwaltung und der Mitarbeiterweiterbildung kümmert sie sich mit großem Einsatz vor allem auch um die Lehrlinge in der Firma. Sie versäumt keine Sprechstunde – schließlich ist der schulische Part in der Lehrlingsausbildung genauso wichtig wie die praktische Seite –, und jeder Lehrling erhält in regelmäßigen Abständen wichtiges Feedback von ihr.
Dass NORDWAL die Coronakrise verhältnismäßig gut meistern konnte, liegt auch daran, dass die Führungsmannschaft in den letzten Jahren stark aufgebaut wurde. Alle haben mit vielen Ideen und raschen Entscheidungen versucht, kreative Lösungen umzusetzen, um die schwierige Zeit zu überbrücken.

Die Coronakrise hat Italien ganz besonders stark getroffen, viele Betriebe mussten vorübergehend schließen oder sehr schnell große Veränderungen umsetzen. Auch die Herausforderungen nach dem Ende des Lockdowns sind erheblich. Wie war das bei NORDWAL?
Anfangs war es schwierig. Die Bestimmungen waren unklar, wir dachten zunächst, alle, die irgendwie können, MÜSSEN ins Homeoffice. Einige Mitarbeiter haben das versucht und sind dann nach ein paar Tagen doch wieder ins Büro gekommen … es scheiterte nicht an der technischen Ausstattung, die konnten wir zur Verfügung stellen, aber die Internetanbindung hat vielen Probleme bereitet. Viele unserer langjährigen Mitarbeiter haben Kinder, die schon fast erwachsen sind und haben es vorgezogen, zum Arbeiten in die Firma zu kommen. Zum Glück haben wir recht viel Platz mit großen Büros, wo man den nötigen Abstand gut einhalten kann. Eine Mitarbeiterin hat einen Teil der außerordentlichen Elternzeit in Anspruch genommen, für einen anderen Mitarbeiter haben wir kurzfristig sogar angedacht, eine Betreuung für die beiden Kinder zu organisieren – aber auch hier war die Gesetzeslage unklar, und der Betroffene hat dann eine andere Lösung gefunden.

Viele Firmen mussten sich kreative Lösungen einfallen lassen, um wenigstens einen Grundbetrieb aufrecht zu erhalten. War das bei NORDWAL auch so?
Als der Lockdown verhängt wurde, stand NORDWAL für einen Tag komplett still, da war die gesamte Belegschaft einschließlich der Geschäftsführung zuhause. Dann haben wir festgestellt: Wir dürfen intern arbeiten – und wir dürfen liefern. Innerhalb weniger Tage wurde der Webshop von NORDWAL colour dann regelrecht überrannt: Es kamen Unmengen von Bestellungen und Fragen rein. Unser Tobias Gozzi, der den Webshop sehr engagiert betreut, hätte das unmöglich alleine stemmen können. Also haben wir ein wenig überlegt: Wer kann jetzt helfen? Und die Antwort lag eigentlich auf der Hand, nämlich die Mitarbeiter in den Geschäften. Außerdem haben wir noch einen Mitarbeiter aus Trient hinzugezogen, der sich mit Bautenschutz sehr gut auskennt. Sie alle haben sich hinter das Telefon gesetzt und beraten – auch wenn es anfangs echt herausfordernd für sie war.

Wie sind Ihre Mitarbeiter denn mit den plötzlichen Veränderungen umgegangen?
Schwierig war es insbesondere für die Außendienstmitarbeiter, die es gewohnt sind, immer unterwegs zu sein und sich mit den Kunden auszutauschen – diese waren nun plötzlich zu Hause eingesperrt. Unser Verkaufsleiter hat sehr wohl nach Möglichkeiten gesucht, den Außendienst einzubinden, aber das war eine große Herausforderung. Erst in der Schlussphase der Bewegungseinschränkung ist es gelungen, die Verkäufer nach einem Einsatzplan in die Firma zu holen, damit sie von dort aus ihre Kunden kontaktieren und einfach mal nachfragen konnten, wie es läuft, ob der Schuh irgendwo drückt. Ich glaube, das war für die Kunden genauso wichtig wie für die Mitarbeiter.

Wo mussten Sie besonders kreativ werden?

Die Mitarbeiter im Lager, die unsere Ware normalerweise palettenweise verpacken und verschicken, mussten komplett umdenken und einzelne Produkte für die Kurierdienste so vorbereiten, dass sie auch heil bei den Kunden ankommen konnten. Dafür mussten erstmal andere Kartons und neues Verpackungsmaterial her, dann wurden plötzlich jeden Tag Hunderte kleine Päckchen geschnürt. Und ich muss sagen, dass sich unsere Belegschaft da wirklich sehr flexibel gezeigt hat, alle haben an einem Strang gezogen und sich komplett auf die Ausnahmesituation eingelassen.

Was hat man bei NORDWAL aus der Krise gelernt?
Unser wichtigstes Learning aus der Krise kann man im Prinzip in einem Satz zusammenfassen: „Das geht nicht!“ bedeutet sehr oft eigentlich „Ich will nicht!“. Wenn ich an die ersten Tage des Lockdowns zurückdenke, wie schwierig da alles schien … Und wie schnell jede und jeder Einzelne sich dann angepasst, Ideen eingebracht und mit angepackt hat! Das war beeindruckend. Für mich hat sich da einmal mehr bestätigt, dass eine Krise auch immer ein guter Antrieb für Veränderungen sein kann. Die Herausforderung für die nächste Zeit wird sicherlich sein, alle Mitarbeiter ins Boot zu holen und diese Stimmung, dieses Mindset, wie man so schön sagt, auch auf die zu übertragen, die diese verrückte, hektische, aber eben auch kreative Zeit während des Lockdowns nicht im Betrieb miterlebt haben.

Welche Maßnahmen werden Sie auch nach der Rückkehr zu einer gewissen Normalität beibehalten?
Wir haben ein wöchentliches Meeting eingeführt, teilweise haben wir das auch alle zwei Tage abgehalten, als sich Bestimmungen und Dekrete quasi täglich änderten. Das werden wir auch beibehalten, weil wir gesehen haben, dass die interne Kommunikation, die regelmäßige Abstimmung mit den Mitarbeitern – auch in den Filialen – sehr wichtig ist. Gerade jetzt, wo Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit nötig sind, können wir uns so laufend anpassen. In unserem Schulungsraum wird demnächst ein Videokonferenz-System installiert, das wird den Austausch mit und zwischen den Filialen weiter fördern und verbessern.

Welche persönliche Eigenschaft hat Ihnen am meisten dabei geholfen, gut durch die letzten Monate zu kommen?
Ich bin gut darin, die Ruhe zu bewahren – das war in den vergangenen Wochen und Monaten sehr hilfreich. Und ich bin ein Fan schneller Entscheidungen. Klar, da kann man schon auch mal daneben liegen, aber eine falsche Entscheidung zu treffen ist immer noch besser als gar keine. Nach der ersten „Schockstarre“ haben wir sehr schnell damit begonnen, zu reagieren und uns anzupassen – mit den Banken gesprochen, intern nach Wegen gesucht, damit alle Mitarbeiter möglichst ohne finanzielle Einbußen weiterbeschäftigt werden können.

„Als Frau ist es bestimmt nicht immer einfach, in einem von Männern dominierten Berufsfeld.“ Stimmen Sie dieser Aussage zu?
Hier in Auer erlebe ich das eigentlich gar nicht so. Alle gehen respektvoll und freundlich miteinander um. Darauf lege ich viel Wert, es ist – auch gesamtgesellschaftlich betrachtet – von größter Wichtigkeit und ich glaube, hier im Unternehmen gelingt es uns auch gut. Eine langjährige und sehr kompetente Filial-Mitarbeiterin wird allerdings hin und wieder von Kunden gefragt, „ob denn auch der Verkäufer da sei“. Die gehen dann einfach davon aus, dass sie in der Verwaltung arbeitet, aber nicht berät. Sie ist da zum Glück sehr souverän und überzeugt durch ihre Erfahrung und ihr breites Wissen.

Haben Sie ein persönliches Motto, aus dem Sie im Alltag und insbesondere in schwierigen Momenten Kraft schöpfen?
Nein, ein Motto habe ich nicht. Aber ich verspüre eine große Dankbarkeit, für mein Leben, meine Familie und für die einfache Tatsache, dass ich auf dieser Hälfte der Erdkugel geboren bin und so viele Gestaltungsmöglichkeiten für mein Leben hatte und habe. Das gibt mir auch Kraft, ja. Und ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein – sie füllt meine Akkus sehr zuverlässig wieder auf!